Dan Carabas hatte seine erste Begegnung mit Shibari vor etwa zehn Jahren, als er seinen Lebensmittelpunkt von Paris nach Berlin verlegte. Während er Berlins lebendige Underground-Kunstszene erkundete, entdeckte er bald Schwelle7, gegründet von Felix Ruckert – einen wichtigen Treffpunkt für die internationale Shibari-Community. Als er seine ersten Performances sah, war Dan von ihrer Ästhetik fasziniert. Er lud professionelle Rigger in sein Studio ein, um seine ersten Shibari-Fotos zu machen, merkte aber schnell, dass die wahre künstlerische Essenz in der bewussten und gezielten Platzierung der Seile durch den Rigger auf dem Körper des Models liegt.
Inspiriert von dieser Erkenntnis, begann Dan seine eigene Reise mit Seilen. In den letzten zehn Jahren hat er an zahlreichen Workshops und Meisterkursen teilgenommen, die von renommierten internationalen Shibari-Meistern geleitet wurden. Sein erster Lehrer war Nicolas Yoroï (A-Nicolas), einer der erfahrensten und angesehensten Rigger Europas. Nicolas entwickelte Yoroi-ryu nach jahrelangem Studium von Shibari in Japan, wobei er sich auf minimalistische, organische und bewegungsbasierte Fesseltechniken konzentrierte.
Doch Dan blieb nicht bei einem Stil. Im Laufe der Jahre ließ er sich von verschiedenen Ansätzen inspirieren, insbesondere von Felix Ruckert, der sein sogenanntes zeitgenössisches Shibari am IKSK in Berlin unterrichtet. Dieser Stil verbindet Körper, Seil, Zeit und Raum auf unvorhersehbare und kreative Weise. Außerdem studierte Dan bei Hajime Kinoko, einem weltweit gefeierten Shibari-Meister und Seil-Künstler, der Bondage zu einer Kunstform erhebt. Dan teilt Kinokos Philosophie, Seile als Medium für Transformation zu nutzen. Während Kinoko einzigartige Installationen schafft, die natürliche Objekte wie Steine und Bäume, aber auch Gebäude und Räume durch Bondage verwandeln, konzentriert sich Dan auf die Verzerrung und Transformation des menschlichen Körpers. Er nutzt Seile, um den Körper in Gipsabdrücke zu formen, und sagt dazu: „Die menschliche Form, dem unerbittlichen Lauf der Zeit unterworfen, wird zu einer bewegten Metapher für Vergänglichkeit. Meine künstlerische Praxis erforscht die Flüchtigkeit von Schönheit, Jugend und dem Leben selbst, indem sie den Körper als Leinwand nutzt, um über die vergängliche Qualität der Existenz nachzudenken.“
Für Dan ist die „Kunst des Shibari" ein lebenslanger Prozess des Eintauchens und Entdeckens. Zweimal jährlich reist er seit 2023 zur internationalen EURIX Convention — eine intensive Woche des Austauschs mit anderen Riggern und Experten der Szene, in der er seinen eigenen Stil schärft und weiterentwickelt.
Heute kombiniert Dan Elemente aus allen Stilen, die er auf seiner Lernreise kennengelernt hat, und lehrt in seinem Shibari Studio Berlin, was er "die Kunst des Shibari mit Intention" nennt. Diese fokussierte Praxis legt Wert darauf, den Partner auf intime und sinnliche Weise zu binden, um so eine tiefe Verbindung durch die Seile zu fördern und zu vertiefen.